Was ist ein politischer Konflikt?

Im Allgemeinen werden politische Konflikte als naturgegeben und die Ursache von Politik verstanden. Politische Konflikte müssen jedoch weniger als Ursache von Politik, sondern vielmehr als das Ergebnis fehlender politischer Aushandlung und Integration verstanden werden.

Die Politikwissenschaft betrachtet politische Konflikte als die Ursache von Politik bzw. Politik ist das Austragen von Konflikten. Programmatiken und politische Ideologien werden über Konfliktlinien bestimmt: Positionen stehen sich entweder konflikthaft gegenüber (Konfliktlinienansatz) oder es schlagen sich politische Akteure auf seine Seite und bilden Familienbünde oder Clans (Parteifamilienansatz). Der Grundtypen-Ansatz löst sich von diesem Politikverständnis. Politische Konflikte werden als Resultat des Politischen gesehen, sie sind jedoch nicht Ausdruck einer bestimmten Ideologie. Vielmehr sind politische Konflikte eine Folge unterschiedlicher (ideologischer) Vorstellungen von der guten Gesellschaft, die aufeinandertreffen ohne zuvor politisch ausgehandelt und integriert worden zu sein. Anders ausgedrückt: Politische Konflikte sind nicht per se da, sondern bilden sich erst im Laufe des politischen Prozesses, der sich je nach Situation und Voraussetzung konflikthafter oder konsensualer gestalten kann.

Für die Analyse politischer Ideologien greift ein alleiniger Blick auf politische Konflikte, Konfliktlinien oder Parteifamilien zu kurz. Stattdessen müssen die dahinter liegenden Annahmen über das gesellschaftliche Zusammenleben in den Blick genommen werden, die am Ende zu den Konflikten führen. Schließlich sieht man politische Ideologien unschwer im Spektakel der Politik-Arena, sondern deutlich klarer in den Katakomben, in denen sich die Athleten auf den Kampf vorbereiten.