Der Parteifamilien-Ansatz

Der Parteifamilien-Ansatz hat sich seit den 80er Jahren in der politischen Theoriebildung etabliert. Parteien werden inhaltlich in Familien zusammengefasst und ideologische Nähe wird durch Verwandtschaftsgrade beschrieben.

Parteifamilien bestehen aus mindestens zwei Parteien und können als das „Agglomerat von Parteien als Produkt ihres gesellschaftlichen Entstehungszusammenhangs“ (Höhne 2012: 25) aufgefasst werden. Anhand ihrer Entstehung, ihrer Tradition und der damit zusammenhängenden Werte können Gemeinsamkeiten (Familie) oder mehr oder weniger Ähnlichkeiten (nähere oder entferntere Verwandtschaften) identifiziert werden. Eine Partei gehört somit einer bestimmten Parteifamilie an, kann aber mit einer Partei einer anderen Parteifamilie ‚verwandt‘ sein.

Der Parteifamilien-Ansatz wurde in den 70er und 80er Jahren entwickelt und hat sich insbesondere durch Forschungen von Klaus von Beyme (vgl. von Beyme 1982) und von Daniel-Louis Seiler (vgl. Seiler 1980) in der politischen Theoriebildung etabliert (vgl. Decker 2018: 13).

Ein Konsens darüber, was die genauen Merkmale einer Parteifamilie sind, besteht in der politischen Theoriebildung nicht (vgl. Höhne 2012: 23). Klaus von Beyme unterscheidet für das europäische Parteiensystem zehn Parteifamilien: Liberalismus, Konservative, Arbeiterparteien, Agrarparteien, regionale Parteien, christliche Parteien, kommunistische Parteien, faschistische Parteien, Rechtspopulismus und ökologische Bewegung (vgl. von Beyme 2000: 70f).

Uwe Jun und Benjamin Höhne diskutieren in ihrem Sammelband zu Parteifamilien acht große Parteifamilien. Sie unterscheiden die sozialdemokratische Parteienfamilie, die christdemokratische Parteienfamilie, die konservative Parteienfamilie, die liberale Parteienfamilie, die grüne Parteienfamilie, die linke Parteienfamilie, die rechtspopulistische Parteienfamilie und die euroskeptische Parteienfamilie (vgl. Jun et al. 2012). Sie verweisen aber darauf, dass Ende des 20. Jahrhunderts insgesamt 13 Parteifamilien ausgemacht werden können (vgl. Höhne 2012: 22).

Parteifamilien-Ansatz

Grundtypen-Ansatz

Der Ansatz der Parteifamilien ist neben dem Konfliktlinien-Ansatz eine der beiden etabliertesten Möglichkeiten zur Bestimmung parteipolitischer Einstellungen. Sein Problem ist, dass Parteifamilien nicht einheitlich definiert und trennscharf voneinander abgegrenzt werden und mit dem Familienbegriff ein Begriff verwendet wird, der terminologisch aufgeladen ist (vgl. Höhne 2012: 23ff).

Quellen:

Decker, Frank (2018): Politische Parteien: Begriff und Typologien, in: Decker, Frank: Parteiendemokratie im Wandel, Baden-Baden, S. 11-21.

Höhne, Benjamin (2012): Parteifamilien als Ideal- und Realmodell: politikwissenschaftlicher Anachronismus oder Forschungsansatz mit Zukunft?, in: Jun, Uwe und Höhne, Benjamin: Parteienfamilien. Identitätsbestimmend oder nur noch Etikett?, S. 11-35.

Jun, Uwe (2012): Die sozialdemokratische Parteifamilie, in: Jun, Uwe und Höhne, Benjamin: Parteienfamilien. Identitätsbestimmend oder nur noch Etikett?, S. 71-100.

Seiler, Daniel-Louis (1980): Partis et familles politiques, Paris.

von Beyme, Klaus (2000): Parteien im Wandel. Von den Volksparteien zu den professionalisierten Wählerparteien, Wiesbaden.