Der Mitmenschtyp

Der Mitmensch bezogene Ideologietyp richtet sein politisches Denken an den anderen Menschen in der Gesellschaft aus. Er gleicht seine Existenz mit der seiner Mitmenschen ab. Die zentrale Kategorie politischen Denkens ist Gleichheit. Die existenzielle Gleichheit, die zwischen allen Menschen besteht – Geburt, Leben, Tod und das Menschsein – eröffnet dem Mitmenschtyp die Perspektive des Vergleichs. Er ist selbst ein menschliches Individuum, während andere ebenfalls menschliche Individuen sind.

In der realen Welt sind die Menschen jedoch nicht gleich. Sie verfügen über unterschiedliche materielle Ressourcen, Fähigkeiten und Möglichkeiten. Sie haben unterschiedliche Berufe, verdienen unterschiedlich viel Geld und befinden sich inmitten verschiedener Hierarchien. Die Diskrepanz zwischen existenzieller Gleichheit und dieser realen Ungleichheit ist Fokus des Mitmenschtypen. Er strebt danach, Ungleichheit durch Angleichung zu reduzieren. Daher ist Gleichheit seine zentrale politische Kategorie.

Hintergrund dieses Gleichheitsstrebens kann einerseits ein Gefühl von (Un-)Gerechtigkeit sein. Gerechtigkeit wird geschaffen, in dem die Diskrepanz zwischen existenzieller und realer Gleichheit reduziert wird (z.B. „klassenlose Gesellschaft“). Andererseits kann der Wunsch nach Angleichung auch einer Angst vor den anderen entspringen. Schließlich besteht immer die Gefahr, von den Mitmenschen gefährdet oder ausgebeutet zu werden. Je größer die Ungleichheit zu Ungunsten des Selbst, desto größer diese Gefahr. Daher ist eine real an die menschliche Existenz angeglichene Gleichheitsgesellschaft für den Mitmenschtypen auch eine Prävention gegen Gefährdung und Ausbeutung. Zudem führt sie dazu, dass Menschen allgemein Gefahren und Risiken des Lebens in gleicherem Maße ausgesetzt sind und über die gleicheren Möglichkeiten des Erhalts und der Entwicklung verfügen.

Für den Mitmensch bezogenen Typen liegt der Sinn von Politik in der Schaffung und Gewährleistung eines gewissen Maßes an Gleichheit durch Angleichungen. Zwei Güter stehen hierbei im Fokus und führen zu zwei Ausprägungen dieses Typs. Die eine Ausprägung richtet sich an materielle Güter, die andere richtet sich auf Macht und (politischen) Einfluss. Die beiden Ausprägungen adressieren in ihrem politischen Denken die beiden Hauptursachen für Ungleichheit: Die Wirtschaft (materielle Ungleichheit) und den Staat (Hierarchien). Der Staat ist bei dem Mitmenschtypen ein dauerhafter Konfliktbereich: Zum einen kann der materielle Güter umverteilen, auf der anderen Seite schaffen staatliche Strukturen zwangsläufig Hierarchien und Abhängigkeiten.

Die Ausprägungen des Mitmenschtypen als Seite der Ideologiepyramide: Links die materielle Gleichheit (Sozialismus), rechts die politische Gleichheit (Anarchismus). Mit zunehmender Ausprägung der Ideologie wird sie extremer und nähert sich eine totalitären Endzustand an.

Zentrale ideologische Denker dieses Typs im Bereich der materiellen Gleichheit sind Karl Marx und Friedrich Engels und lassen sich in Bereiche wie Marxismus, Sozialismus, Kommunismus verorten. In den Bereich politischer Gleichheit können anarchistische Ideologien lokalisiert werden.

Im deutschen Parteiensystem können SPD, Die LINKE, MLPD, DKP und SDG als so genannte sozialdemokratische bzw. sozialistische Parteien diesem Grundtyp zugeordnet werden (–>mehr/tab).

Der Mitmenschtyp in seiner Totalität

Ebenso wie die anderen Grundtypen nähert sich auch der Mitmenschtyp in seiner intensiveren Ausprägung einen totalitären Endzustand an. Auf der Ideologiepyramide befindet sich dieser auf der untersten Spitze. Mit der Intensivierung der Ideologie geht ein radikaleres Gleichheitsverständnis einher. Dieses bezieht sich auf den Bereich der materiellen Güter, in dem zunehmend absolute materielle Gleichheit verwirklicht werden soll. Im Bereich der politischen Gleichheit intensiviert sich die Ideologie in der zunehmenden Verwirklichung politischer Gleichheit. Da staatliche Strukturen zwangsläufig Ungleichheit und Hierarchien schaffen, findet die politische Gleichheit ihren totalitären Endzustand in der totalen politischen Gleichheit – der Anarchie.