Der Menschheitstyp

Der menschheitsbezogene Grundtyp richtet sein politisches Denken an der Menschheit als Ganzes aus. Seine zentrale politische Frage ist die der Existenz, dies zu bewahren gilt. Gerechtigkeit besteht für diesen Grundtyp darin, wenn Menschen als Teil der Menschheit auf der Erde fortbestehen und sich entwickeln können.

Mit diesem existenziellen Bezug umfasst der Menschheitstyp zwei Strömungen: Die Erste Strömung fokussiert sich auf die Existenz der heute lebenden Menschen („Eine Welt“, Anthropozentrismus), die zweite Strömung auf die künftig lebenden Generationen (intergenerationale Gerechtigkeit). Aus dieser Generationenbetrachtung heraus entsteht das in diesem Grundtypen stark verankerte politische Postulat der Nachhaltigkeit.

Die politische Angst dieses Typs liegt in der Gefährdung der Lebensgrundlage seiner Spezies Mensch – entweder heute oder künftig. Die Entwicklung und das Fortbestehen der Menschheit haben für ihn höchste politische Priorität, Einzel- Mitmensch- oder Gruppeninteressen (der jetzigen Generation Mensch) wären dieser unterzuordnen. Da die Lebensgrundlage und die Existenz der Menschheit bereits durch die kosmischen Bedingungen der Erde (z.B. durch mögliche Meteoriteneinschläge), aber auch durch (potenzielles) menschliches Handeln gefährdet ist, ist die Sicherung der menschlichen Existenz nur graduell zu erreichen. Keine politische Maßnahmen kann die Existenz der Spezies Mensch für die Ewigkeit garantieren. Die Schaffung und Gewährung eines gewissen Maßes an Schutzes der Menschheit ist daher für den menschheitsbezogenen Ideologietyp der Sinn von Politik.

Die Ausprägungen des Menschheitstypen als Seite der Ideologiepyramide: Links die Strömung mit Fokus auf Generationen (Ökologie), rechts die die Strömung mit Fokus auf die heutige Menschheit (Anthropozentrismus). Mit zunehmender Ausprägung der Ideologie wird sie extremer und nähert sich einem totalitären Endzustand an.

Eine Gesellschaft ist dann gut, wenn sie sich erhält, fortbesteht und sich entwickelt und die Menschen in dieser nachhaltig leben. Die Gefährdung der menschlichen Lebensgrundlage ist potenziell von außen und von innen möglich. Während von außen Naturphänomene die Bedingungen des Lebens gefährden können, werden von innen durch die Menschen selbst ihre Lebensgrundlage gefährdet – zum Beispiel durch die Nutzung von Ressourcen, die Zerstörung von Flora und Fauna oder das Emittieren von Giften. Auch die Aufteilung der Menschen in Gruppen wie Nationen oder Religionsgemeinschaften gefährdet letztlich die Existenz.

Die ideologische Grundlage dieses Typs mit Blick auf die Generationengerechtigkeit kann auf Hans Jonas zurückgeführt werden, der Kants kategorischen Imperativ räumlich und zeitlich ausweitet und eine Pflicht zur Erhaltung der Menschheit formulierte. Mit Blick auf die heutige Menschheit werden ideologische Grundlagen durch Eine-Welt-Ansätze gelegt, die Grenzen und staatliche Konstrukte überwinden möchten.

Im deutschen Parteiensystem können Bündnis 90/Die Grünen und ÖDP sowie die Partei ÖkoLinX als so genannte ökologische Parteien diesem Grundtyp zugeordnet werden. –>mehr/tab

Der Einzelmenschtyp in seiner Totalität

Ebenso wie die anderen Grundtypen nähert sich auch der Menschheitstyp in seiner intensiveren Ausprägung einen totalitären Endzustand an. Auf der Ideologiepyramide befindet sich dieser auf der untersten Spitze. Beim intergenerationalen Extremismus wird dem Leben künftiger Generationen zunehmend ein höherer Stellenwert beigemessen als der heutigen Generation – bis hin dazu, der Natur selbst einen höheren Wert als den Menschen zuzuschreiben. Beim anthropozentrischen Extremismus erfährt das Wohl der Menschheit gegenüber dem Wohl des Einzelnen, der Gruppe oder den Mitmenschen eine zunehmende Bedeutung. Beide Strömungen führen in ihrem Extremismus schließlich dazu, dass die Interessen der Individuen der Gesellschaft zunehmend irrelevant werden, da sie sonst dem Ziel der Menschheitsexistenz im Wege stehen. Anders: Die einzelne menschliche Existenz wird im dynamischen Prozess gegenüber der Menschheit und ihrer Lebensgrundlage immer wert- und bedeutungsloser.

Die Dynamik der totalitären menschheitsbezogenen Ideologie besteht daher einerseits darin, dass das Fortbestehen der Menschheit unendlich weit in die Zukunft gesichert werden kann. Andererseits stellt jeder Mensch bereits durch seine bloße Existenz potenziell eine Gefährdung der Menschheit dar. Allein das Atmen verbraucht und zerstört – allein das Denken kann zu gefährdenden Ideen führen. In seiner Dynamik strebt die totalitäre menschheitsbezogene Ideologie daher paradoxerweise zur Eliminierung der Menschen als Spezies mit dem Ziel menschlicher Nichtexistenz: Schließlich kann ein Mensch, der nicht lebt, die Menschheit und die Lebensgrundlage dieser sowohl faktisch als auch potenziell nicht gefährden.