Der Gruppentyp

Der gruppenbezogene Ideologietyp richtet sein politisches Denken an der jeweiligen Gruppe aus, die bestimmte Merkmale miteinander verbindet. Seine Fokus ist die jeweilige Gemeinschaft und die zentrale politische Kategorie ist Sicherheit.

Mit dem Mitmensch bezogenen Ideologietyp hat dieser Grundtyp gemeinsam, dass er sein politisches Denken an seinen Mitmenschen ausrichtet. Jedoch erfolgt dies nicht auf diese als Individuen im Sinne einzelner Menschen, sondern auf die Gruppe als Kollektiv. Das Kollektiv ist die Summe einzelner Individuen (zu denen auch er gehört) zu einem Ganzen, quasi eine Gemeinschaft. Kennzeichnend für diese Gemeinschaft sind verbindende Merkmale, die einzelne Menschen Teil der Gemeinschaft werden lassen. Zugleich schließen sie andere Menschen aus, die diese Merkmale nicht aufweisen. Die Merkmale werden durch die Gruppe als Gemeinschaft konstruiert und definiert.

Die Größe einer Gemeinschaft kann variieren. Die kleinste Gemeinschaft besteht aus zwei Menschen, die miteinander (politisch) handeln. Die größte Gemeinschaft besteht aus ‚Menschheit-minus-eins‘, denn schließlich braucht eine Gemeinschaft für ihre Merkmalsdefinitionen in irgendeiner Form ein ‚Außen‘ zur Abgrenzung der Merkmale – also Menschen, die bestimmte Merkmale nicht erfüllen und daher nicht Teil der Gemeinschaft sind. Die Konstruktion und Definition von Gruppenmerkmalen macht nur Sinn, wenn es auch Menschen gibt, die diese nicht aufweisen.

Hinsichtlich der definierten Gruppenmerkmale können zwei Arten unterschieden werden, die sich zum einen auf die körperlichen und zum anderen auf die geistigen Voraussetzungen ihrer Mitglieder beziehen.

Körperliche Merkmale betreffen den physischen Körper der Menschen. Merkmale können über den Ort der Geburt, die Vorfahren oder genetische Attribute definiert werden. In modernen Staaten häufig definierte Merkmale sind die Nation als Konstrukt oder die so genannte Ethnie.

Geistige Merkmale unterscheiden sich von den körperlichen Merkmalen darin, dass sie auf Ideen beruhen, die potenziell veränderbar sind. Beispiele für diese sind Religionen, die eine Vorstellung von dem Leben auf der Welt geben.

Die Ausprägungen des Gruppentypen als Seite der Ideologiepyramide: Links die territoriale Gemeinschaft (körperliche Merkmale), rechts die ideelle Gemeinschaft (geistige Merkmale). Mit zunehmender Ausprägung der Ideologie wird sie extremer und nähert sich eine totalitären Endzustand an.

Die Angst des gruppenbezogenen Ideologietyps liegt in der Auflösung der Gemeinschaft oder dem Ausschluss aus dieser. Formelle und informelle Übereinkünfte in Form von Institutionen (Regeln, Rituale, Traditionen etc.) helfen dabei, den eigenen Ausschluss oder die Destabilisierung der Gemeinschaft entgegen zu wirken. Zudem aktualisieren und festigen sie die Gruppenmerkmale bei ihren Mitgliedern. Der Erhalt, das Fortbestehen und die Entwicklung der eigenen Gemeinschaft haben höchste Priorität, aus ihnen erwächst der Sinn von Politik. Gerechtigkeit besteht darin, Teil einer fortbestehenden und sich entwickelnden Gemeinschaft zu sein. Die Sicherheit am Fortbestehen und an der Entwicklung der Gemeinschaft ist die zentrale politische Kategorie. Staatliche Gewalt dient dazu, die Gemeinschaft von innen und außen zu schützen.

Für den gruppenbezogenen Typen ist eine Gesellschaft dann gut, wenn sie als Gemeinschaft fortbesteht und sich entwickelt. Da im Leben aber nichts absolut sicher ist, handelt es sich hierbei um ein graduelles Anliegen. Die Erlangung relativer Sicherheit erfolgt entweder gegenüber dem Außen oder gegenüber dem Inneren: Entweder muss die Gemeinschaft gegen andere Gemeinschaften, oder sie muss gegen eigene Mitglieder geschützt werden, die den definierten Merkmalen der Gemeinschaft nicht mehr entsprechen.

Die definierten Merkmale der Gemeinschaft erzeugen eine Art Gleichheit der Mitglieder, die jedoch nicht mit der Gleichheit des mitmensch-bezogenen Ideologietyps verwechselt werden darf. Während bei dem mitmensch-bezogenen Ideologietyp Gleichheit eine Frage der Gerechtigkeit bezüglich Diskrepanz aus existenzieller und realer Gleichheit der Menschen ist, dient dem gruppenbezogenen Ideologietyp die Gleichheit dem Zusammenhalt der Gruppe. Sie ist für ihn keine Kategorie individueller menschlicher Existenz. Vielmehr bedeutet Gleichheit für ihn ein gewisses Maß an Homogenität der Gruppe anhand der definierten Gruppenmerkmale. Eigentum ist daher in dem Umfang zulässig, in dem es die Gemeinschaft nicht gefährdet. Zugleich sollte die Gemeinschaft über hinreichend Ressourcen verfügen, um selbst stabil und handlungsfähig zu sein.

Das ideologische Denken dieses Typs ist so alt wie die Menschheit selbst und findet sich überall, wo Merkmale für eine Gruppe definiert werden.

Im deutschen Parteiensystem können CDU/CSU und AfD als so genannte konservative Parteien diesem Grundtyp zugeordnet werden. –>mehr/tab

Der Gruppentyp in seiner Totalität

Ebenso wie die anderen Grundtypen nähert sich auch der Gruppentyp in seiner intensiveren Ausprägung einen totalitären Endzustand an. Auf der Ideologiepyramide befindet sich dieser auf der untersten Spitze. Beim Gruppentyp steht die Gemeinschaft im Zentrum des politischen Denkens und gewinnt mit zunehmender ideologischer Intensität an Bedeutung (siehe Nationalismus, Islamismus, Fundamentalismus etc.). Die Dynamik der totalitären gruppenbezogenen Ideologie besteht einerseits in den nahezu unbegrenzten Entwicklungsmöglichkeiten der Gemeinschaft in Bezug auf Größe und Stärke, andererseits in dem nahezu nie endenden Sicherheitsstreben vor inneren und äußeren Feinden. Schließlich sind andere Gemeinschaften dann am ungefährlichsten, wenn sie nicht existieren. Die eigenen Mitglieder sind zunehmend ungefährlich, je mehr verbindende Merkmale der Gemeinschaft definiert werden, die sie erfüllen (müssen) und die ihnen weniger Raum für individuelle Abweichungen geben. Die Gemeinschaft wird durch diese Dynamik zunehmend homogener, bis die Menschen sich in einem totalitären Endzustand schließlich angleichen.