Colonia Dignidad als Beispiel totalitärer Gruppenideologie

Eine deutsche Sekte wanderte 1961 nach Chile aus und gründete dort abgeschottet eine Siedlung von Auslandsdeutschen, die in einem stark fortgeschrittenen Maße totalitär organisiert wurde.

Um persönliche Interessen jenseits der Gruppenideologie im Keim zu ersticken wurde persönliches Eigentum quasi abgeschafft, der Alltag vollständig mit Arbeiten und Gruppenritualen gefüllt und Frauen und Männer sowie Kinder von ihren Eltern getrennt. Mit Hilfe von Disziplinierungsmaßnahmen und Gewalt wurde ein sehr hohes Maß an Gruppenhomogenität sichergestellt.

Das System konnte sich wegen drei Voraussetzungen etablieren: Erstens verfügte die Gruppe über eine totalitäre, religiöse Ideologie mit einem Führer an der Spitze. Zweitens war sie von außen abgeschottet und als Gruppe von Auslandsdeutschen in Chile bereits stark homogen. Drittens agierte die Siedlung quasi im rechtsfreien Raum, da sie mit der Pinochet-Diktatur massiv kollaborierte. Colonia Dignidad kann als Mikro-Beispiel eines gruppenbezogenen Totalitarismus verstanden werden.